Zeugnisse und Beurteilungen schreiben ist nicht einfach
Um jemand anderen beurteilen zu können, muss man vor allem objektiv an die ganze Sache herangehen können. Hinzu kommt, dass negativ wertende Formulierungen von vornherein ausgeschlossen sind.
Wer beurteilt werden soll, hat Anspruch auf eine faire und objektive Beurteilung. Denn dieses Schreiben dient meistens als Nachweis für einen neuen Arbeitgeber, der sich über die Beurteilungen und Zeugnisse eines Bewerbers im Vorfeld ein Bild machen möchte. Wer also Beurteilungen schreiben muss, darf zweierlei nicht aus den Augen verlieren: Die Beurteilung muss objektiv und fair sein, gleichzeitig darf sie aber keine negativen Bewertungen beinhalten. Von daher ist das Schreiben einer Beurteilung oder seines Zeugnisses keine leichte Aufgabe, denn das, was man meint, auch verständlich auszudrücken, ist manchmal gar nicht so einfach.
Ist der zu Beurteilende beispielsweise ständig zu spät gekommen, darf dies in seiner Beurteilung nicht direkt auftauchen, denn dies würde ihm Schwierigkeiten bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz machen. Ebenso kann ein unangemessenes Verhalten beim bisherigen Arbeitgeber gegenüber Vorgesetzten, anderen Mitarbeitern oder gar Kunden nicht direkt im Zeugnis zum Ausdruck gebracht werden, sodass dies, wie viele andere weniger positive Bewertungen auch, durch eine Verklausulierung umschrieben werden. Beim Beispiel mit dem nicht einwandfreien Verhalten würde die Reihenfolge der Auflistung dann nicht mit den Vorgesetzten, sondern beispielsweise den Mitarbeitern beginnen. Dies kann auf Unstimmigkeiten zwischen scheidendem Mitarbeiter und den bisherigen Vorgesetzten hindeuten.
Die einfachste Möglichkeit, um eine Leistung oder ein Verhalten negativ zu bewerten und kein Risiko bei der Formulierung einzugehen, ist das einfache Weglassen dieses Punktes in der Beurteilung oder dem Zeugnis. Hier wird jeder Personalchef aufmerksam werden und sich wundern, warum dieser Punkt, zum Beispiel das Verhalten gegenüber Vorgesetzten und anderen Mitarbeitern, keine Erwähnung findet. Auch das Weglassen von positiven Adjektiven und Adverbien spricht eine deutliche Sprache, ohne dass der Beurteilende zu einer bewusst negativen Formulierung greifen müsste.